Davos, Flims, St. Moritz, Engadin

Davos und Flims, die Region Engadin mit St. Moritz, Pontresina und Silvaplana: all das liegt im schweizerischen Kanton Graubünden – auch „die Ferienecke der Schweiz“ genannt.

Vor 200 Jahren noch als schwer zugänglich empfunden, bildet der Kanton heute die Grundlage eines florierenden Sport-, Erholungs- und Gesundheitstourismus.

In Davos geht alljährlich das Weltwirtschaftsforum über die Bühne, in St. Moritz geben sich Promis aus aller Welt ein Stelldichein – Graubünden war immer schon ein Treffpunkt für Menschen aus Wirtschaft, Politik, Sport, Kunst und Kultur. Doch der alpin geprägte Kanton ist so viel mehr als nur ein Treffpunkt des Jet Set: Vor allem Naturliebhaber und sportlich Ambitionierte werden das Bündnerland lieben!

Wiege des Wintertourismus

Seinen Aufschwung nahm der Tourismus in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, anfänglich beschränkt auf einige Sommermonate – bis der St. Moritzer Hotelpionier Johannes Badrutt in der Saison 1864/65 mit seinen englischen Kurgästen eine folgenschwere Wette abschloss: Sie mögen doch im Winter wiederkommen und so lange bleiben, wie sie wollen, um sich selbst von den angenehm sonnigen Tagen zu überzeugen. Sollte er, Badrutt, unrecht behalten, würde er sämtliche Kosten übernehmen. Die Engländer konnten also nur gewinnen – so oder so. Der Rest ist Geschichte: Die britischen Gäste staunten über das herrliche Wetter und die prächtige Winterlandschaft. Im Frühling reisten sie braungebrannt nach Hause, der Wintertourismus in Graubünden war aus der Taufe gehoben, wobei St. Moritz, Davos und Arosa als Vorreiter gelten.

Blick über die Skidestination St. Moritz im Engadin in der Schweiz
Skifahren in St. Moritz – traumhaft! (c) Graubünden Ferien / Andrea Badrutt

Olympisch

Nachdem in den Jahren 1928 und 1948 die Olympischen Winterspiele in St. Moritz ausgetragen wurden, präsentiert sich der Kanton nach wie vor sportlich: ob White Turf Pferderennen auf dem zugefrorenen St. Moritzersee, Snow Polo, Cricket on Ice oder Cresta Run auf der weltweit einzigen Natureis-Bobbahn, Halfpipe, Freestyle-Indoor-Halle, Snow-Bike-Park, rasante Schlittelfahrten (ja, hier sagt man Schlittel- und nicht Schlittenfahrt) und Eisklettern, Golfen, Canyoning, Gleitschirmfliegen, Wandern und River-Rafting – hier wird einiges geboten!

Museal

In Graubünden können Sie sich aber nicht nur sportlich austoben, sondern auch kulturell einiges erleben: Rund 90 Museen stehen zur Verfügung, darunter spezielle wie beispielsweise das Bergbaumuseum oder das Klostermuseum – und in Flims gibt es sogar ein Hotelmuseum. In verschiedensten großen und kleinen Kulturstätten stehen regelmäßig Theater und Kleinkunst, Konzerte und Ausstellungen am Programm. Sie können aber auch den zahlreichen Galerien und Ateliers einen Besuch abstatten oder besichtigen die geschichtsträchtigen Burgen, Klöster, Schlösser und Kathedralen des Kantons.

Literarisches Denkmal

Nobelpreisträger Thomas Mann ließ sich von den Erlebnissen rund um den Kuraufenthalt seiner Frau Katia in Davos zu einem Bestseller der Weltliteratur inspirieren: »Der Zauberberg« bereitete den Davosern allerdings keinen Anlass zur Freude, lässt Mann mit seinem Roman doch mehr oder weniger anklingen, dass bei den meist monatelang dauernden Kuren weniger der gesundheitliche Aspekt als vielmehr Geschäftemacherei mit jenen, die sich lange Aufenthalte im noblen Kurort Davos leisten können, im Vordergrund steht. Jahrzehnte später, 1968, als die 85-jährige Katia Mann Davos einen Besuch abstattete, stellte sich anhand mitgebrachter Röntgenbilder heraus, dass sie nie an Tuberkulose gelitten hatte. Die Lungenkrankheit Tbc (auch Schwindsucht und Weiße Pest genannt) hat jedenfalls wesentlich zur Etablierung Davos’ als Luftkurort beigetragen. Die Region Heidiland hingegen gelangte durch den Arzt und Naturforscher Paracelsus zu Bekanntheit, nachdem er die Wirkung der Heilquelle in der Taminaschlucht bei Bad Ragaz bestätigt hatte.

Vielfalt

Bedingt durch die hohe Lage sind die durchschnittlichen Temperaturen in Graubünden eher niedrig – dem gegenüber steht jedoch eine hohe Sonneneinstrahlung und (im Vergleich zu anderen Alpengebieten) wenig Niederschlag. Der von Bergen, Tälern, Flüssen und Seen geprägte Kanton ist eine Welt für sich, wobei jedes der 150 Täler seinen ganz eigenen Charakter hat – nicht zuletzt aufgrund der (in der Schweiz einzigartigen) Dreisprachigkeit: Deutsch, Rätoromanisch und Italienisch. Als ob drei Sprachen nicht schon genug wären, gibt es auch noch vielerlei Mundarten und Dialekte.

In Graubünden logieren außerdem nicht nur zweibeinige Feriengäste, sondern auch vierbeinige: Es gibt hier derart viele Alpen, dass es unmöglich ist, sie alle mit eigenem Vieh zu »bestoßen« (so der Fachausdruck für die Sommerfrische der Tiere) – deshalb nimmt man jeden Sommer Vieh aus dem schweizerischen Mittelland »in Pension« auf.

Von der Piste in die Beiz

Ob Gourmetrestaurant oder urige Berghütte: Auf die Teller kommen authentische, hausgemachte Spezialitäten, in denen die drei Sprachgebiete – deutsch, romanisch und italienisch – ihren Niederschlag finden. Bündnerfleisch, Bündner Gerstensuppe in allen Variationen, Bündner Nusstorte, Bündner Birnbrot und Röteli (Kirschlikör), Maluns (eine Kartoffelspeise, die mit Apfelmus, Preiselbeeren oder Alpkäse gegessen wird, oftmals trinkt man auch Milchkaffee dazu) und Capuns (verschiedene, in Mangoldblätter eingewickelte Speisen), Pizokel (den Spätzle ähnliche Teigwaren), Chäsgatschäder, Heusuppe und Pizzoccheri (Buchweizennudeln, meist mit Kartoffeln und Käse serviert) zählen zu den verbreitetsten regionalen Leckerbissen. Ein kulinarisches Highlight ist sicher das alljährlich im Winter in St. Moritz stattfindende Gourmet Festival, bei dem Spitzenköche aus aller Welt mit jenen aus Graubünden wetteifern.

Bündner Herrschaft

Mehr als 40 Rebsorten gedeihen dank des milden Klimas, der vom Föhn verwöhnten Südhänge und der kalkhaltigen Böden hervorragend in Graubünden, vor allem in der Ferienregion Heidiland, wo sich auch das älteste urkundlich erwähnte Weingut Europas befindet. Begonnen hat alles mit Weißwein, der hier schon seit der zweiten Hälfte des 11. Jahrhunderts angebaut wird. Chardonnay, Grauburgunder, Riesling-Silvaner, Sauvignon blanc, Weißburgunder und Merlot sind die am häufigsten angebauten Sorten, am beliebtesten ist allerdings der Blauburgunder. Die Winzer lassen sich einiges einfallen, um ihre Weine für jedermann erlebbar zu machen: Degustationen, Führungen und Weinfeste stehen regelmäßig auf der Agenda, dazu trifft man sich in den unterschiedlichen gemütlichen Torkeln (so nennt man hier die Weinkeller).

Sie sehen: Graubünden ist weit mehr als Heidi Klum, Paris Hilton, Gunter Sachs und der von ihm gegründete Dracula Club. Graubünden ist ein Kleinod alpiner Behaglichkeit. Wir wünschen Ihnen einen inspirierenden Aufenthalt und viele neue Entdeckungen!

Facts:

Graubünden, die »Ferienecke« im Osten der Schweiz, ist geprägt von Bergen (937), Seen (615), Flüssen, Wasserfällen, Schluchten und Tälern (150). Der Piz Bernina ist mit 4.049 Metern der höchstgelegene Punkt des Kantons, der erst seit 1803 ein solcher ist. Rund 90 Prozent der Fläche liegen höher als 1.200 Meter über dem Meeresspiegel: 2.200 km Pisten, 1.800 km Langlaufloipen, 1.400 km Winterwanderwege, 11.000 km Wanderwege, 4.000 km Biketrails und 15 Golfplätze warten im flächenmäßig größten – und gleichzeitig am dünnsten besiedelten – Kanton der Schweiz auf Sportliche und Naturliebhaber. Schneeschuhtouren, Schlitteln, Eislaufen, Eishockey, Eissurfen, Bob, Skeleton, Skibob, Curling, Eisklettern, Snowkiting, Eis-Polo, Golfen, River-Rafting, Canyoning, (Delta)Segeln, Tauchen, Fischen, Klettern, Gletschertouren, Gleitschirmfliegen, Ballonfahren und Lamatrekking sind nur einige der Aktivitäten, die Sie in Graubünden ausüben können, wo sich übrigens der einzige Nationalpark der Schweiz befindet und die Flüsse Rhein und Inn entspringen.
Die Dreisprachigkeit (Deutsch, Rätoromanisch, Italienisch) im ehemaligen Freistaat »Gemeiner Drei Bünde« ist historisch bedingt.