Andrea Redlich & Bardhyl Coli

Andrea Redlich & Bardhyl Coli

Seit Mitte Mai 2015 leiten Maria Redlich (26) und Bardhyl Coli (31) als Direktionspaar die Geschicke des Hotel Vitznauerhof und obwohl beide noch so jung sind, haben sie bereits beachtliche Meilensteine zu verzeichnen.
Im Falle von Maria Redlich sind das u.a. so eindrucksvolle Stationen wie »The Levin« in London, »The Ritz-Carlton« in Berlin, ein dreijähriges Studium in »International Tourism & Event Management« am European Business College Berlin, ein Auslandssemester an der Oxford Brookes University in Oxford, Großbritannien, sowie ein berufsbegleitendes Studium an der Hochschule für Technik und Wirtschaft in Chur, das sie als Master of Science in »Business Administration with Major Tourism« abschloss.

Bardhyl Coli durchlief innerhalb von zehn Jahren alle wesentlichen Stationen der Hotellerie: Service-Ausbildung, später eine zweite Ausbildung zum Koch sowie jene zum Sommelier brachten ihm Positionen wie Chef de Rang, Restaurantleiter und Sommelier in Häusern wie dem Hotel »Jägerhof« in St. Gallen, dem Gasthaus »Römerhof« in Arbon und dem sternegekrönten »Capital Hotel London« ein. Anschließend erweiterte Coli sein Know-how am Empfang im Hotel »Hof Weissbad«, ehe er im April 2008 an der Hotelfachschule Belvoirpark in Zürich seine Ausbildung zum diplomierten Hotelier erfolgreich abschloss. Darauf folgte ein Wechsel ins »NH Hotel Berlin Mitte« – zuerst als F&B Manager, später als stellvertretender Hoteldirektor.

Mitte 2012 zog es die Deutsche und den Schweizer mit albanischen Wurzeln zusammen in die Schweiz, wo sie im Waldhotel Davos Fuß fassten: Maria Redlich als Sales & Marketing Manager und Bardhyl Coli als Hoteldirektor. Mittlerweile führen Sie das Waldhotel Davos während der Wintersaison gemeinsam als Direktionspaar.

(Redaktion: Susanne Lohs | Interview: Hardy Lohs)

Was war für Sie das Ausschlaggebende zu sagen »Ich möchte eine Laufbahn in der Hotellerie einschlagen«?

Maria Redlich: Die Faszination für Hotels bestand bei mir schon immer. In ein schönes Hotel zu kommen und diese besondere Atmosphäre zu spüren, war für mich immer schon sehr beeindruckend. Und ich hab mich auch seit jeher wohlgefühlt in Hotels, nicht nur als Gast, sondern auch als ich in Hotels zu arbeiten begonnen habe.

Was gefällt Ihnen dabei besonders an Ihrem Job?

Maria Redlich: Der Umgang mit Menschen, dass man jeden Tag neue und interessante Menschen kennenlernt – sowohl Gäste als auch Mitarbeiter. Und Gäste glücklich zu machen, zu sehen, wie sie den Aufenthalt genießen, sich dann auch bedanken, weil ihnen etwas besonders gut gefallen hat. Das ist das Schöne. Und grundsätzlich ist es ein toller Beruf, weil wir ja 365 Tage um uns herum nur Ferien- und Urlaubsfeeling haben. Es ist eine schöne Branche, in der man nur mit Positivem konfrontiert ist, weil wenn Gäste Ferien machen, dann ist das nun mal was Schönes.

Bardhyl Coli: Ich kann mich dem nur anschließen. Mit ein ausschlaggebender Grund, mich für die Hotellerie zu entscheiden, war und ist, weil es vor allem auch sehr abwechslungsreich ist.

Wenn Sie selber mal Freizeit haben – wie verbringen Sie die? Gehen Sie in andere Hotels, Kollegen besuchen oder sagen Sie: Nein, jetzt will ich mal nichts mit dem Thema Hotel zu tun haben?

Maria Redlich: Wir gehen immer in Hotels, weil es für uns natürlich spannend ist zu sehen, wie andere ihren Job machen. Dabei kommt man schon immer wieder mal ins Gespräch, redet von der Arbeit, fängt an zu vergleichen. Aber für uns ist das nicht schlimm, auch in der Freizeit über die Arbeit zu reden, weil das nun mal ein großer Teil unseres Lebens ist. Für uns ist es spannend zu sehen, wie Kollegen in anderen Hotels bestimmte Konzepte aufbauen. Und wir lassen uns in unserer Freizeit natürlich auch gern mal verwöhnen (lacht).

Bardhyl Coli: Das ist korrekt (lacht). Wir gehen gerne in Hotels, in schöne Hotels, also es muss immer was Besonderes sein, nur ein Standardhotel, das kommt eher selten vor.

Haben Sie eine bevorzugte Region oder Destination, wo es Sie immer wieder mal hinverschlägt? Ein Lieblingshotel?

Bardhyl Coli: Es gibt jetzt nicht so DAS Lieblingshotel oder DAS Lieblingsferienziel – es gibt einfach sehr viele Lieblingshotels und sehr viele Lieblingsziele, auch ferne Destinationen, wo man dann hingeht oder hingehen würde. Aber so DAS Hotel, wo man mehrmals hingeht, haben wir nicht.

Maria Redlich: Wir probieren eigentlich immer neue Destinationen aus, neue Hotels. Wir sind nicht die Typen, die mehrmals an den gleichen Ort gehen, sondern lieber immer wieder was Neues ausprobieren.

Sie haben vorhin gesagt, an Ihrem Beruf finden Sie besonders den Umgang mit Menschen, auch mit Mitarbeitern spannend. Welche Eigenschaften schätzen Sie an Ihren Mitarbeitern?

Bardhyl Coli: Grundsätzlich erwarten wir von allen Mitarbeitern eine starke Gastgebereigenschaft – natürlich auch von uns persönlich! Wir leben das jeden Tag und wollen das die Gäste spüren lassen – mit Kleinigkeiten, Willkommenskarten, persönlicher Begrüßung, persönlicher Verabschiedung. Und ich schätze es an Mitarbeitern, wenn sie das auch gleich umsetzen und versuchen, es dem Gast so angenehm zu machen, dass er mindestens auch sagen kann »Wow! Es war für uns wirklich so, als hätten wir etwas sagen können, ohne Probleme dabei zu spüren.« Und das schätze ich an Mitarbeitern, wenn sie diese Eigenschaft an den Tag legen und sich im Sinne des Hauses auch verhalten.

Damit haben Sie mir die nächste Frage schon etwas vorweggenommen: Was bedeutet »Gastlichkeit« für Sie?

Bardhyl Coli: Da steht Herzlichkeit im Vordergrund. Ist jemand herzlich, macht er’s wirklich mit ganzem Herzen und aus Leidenschaft, er stellt nicht seine persönlichen Bedürfnisse in den Vordergrund, sondern die des Gastes. Es ist eigentlich so, wie wenn ein Freund zu Ihnen nach Hause kommt: Da gehen Sie auch nicht einfach starr Schema X durch, sondern versuchen mit Tatkraft, ihn, den Gast in den Vordergrund zu stellen.

Das entspricht eigentlich gelebter Gastlichkeit …

Bardhyl Coli: Finde ich. Ja.

Was bedeutet für Sie persönlich Luxus?

Maria Redlich: Für mich ist Zeit Luxus, also neben der Arbeit, die ja doch einen großen Teil unseres Lebens einnimmt, Zeit zu haben, auch einmal Zeit zusammen zu verbringen. Wir sind ja bei der Arbeit sehr viel zusammen, aber natürlich ist es schön, wenn man dann mal gemeinsam verreisen kann, zum Beispiel in ein Hotel – das Thema hatten wir ja schon –, das ist für mich Luxus. Und auch die Familie zu sehen und dann natürlich Gesundheit. Gesund zu sein, jeden Tag zur Arbeit gehen zu können, das ist für mich persönlich sehr wichtig. Und einfach erfüllt zu sein mit dem, was man tagtäglich macht, gerne zur Arbeit zu gehen, das ist für mich Luxus. Dass man glücklich ist mit dem, was man macht. Das ist, denke ich, auch nicht selbstverständlich.

Bardhyl Coli: Ja, da schließ ich mich an. Jeder definiert Luxus anders – für den einen sind’s Kleinigkeiten, für den anderen sind’s große Sachen. Wenn man auf immaterielle Werte schaut, ist auf jeden Fall die Zeit, die man hat, sehr sehr wichtig. Blickt man aufs Materielle empfinde ich es als gewissen Luxus, sich etwas leisten zu können, ohne jeden Tag aufs Bankkonto schauen zu müssen. Oder dass ich am 20. eines Monats sagen kann, jetzt geh ich nochmal essen ohne denken zu müssen »Uhh, aber mein Lohn kommt erst in fünf oder zehn Tagen«.

Sie sind hier ja von lukullischen Highlights umgeben. Wenn Sie auswärts essen gehen – gibt’s bestimmte kulinarische Ausrichtungen, die Sie bevorzugen?

Bardhyl Coli: Ich esse sehr sehr gerne Fisch, das finde ich immer schön. Wir mögen es, wenn ein Restaurant eine Atmosphäre hat und Essen und Atmosphäre müssen zusammenstimmen. Ich mag es nicht, wenn Restaurants zu hell beleuchtet sind, zu wenig Atmosphäre haben. Es soll »cozy« sein. Das Essen muss natürlich auch top sein, aber es muss nicht immer Schicki-Micki sein, es darf auch einfach sein. Es darf Wolfsbarsch in der Salzkruste sein. Es muss wie ein Theaterspiel sein. Ich persönlich hab’s gern, wenn ich an einem Ort bin, wo ich denke: Jetzt bin ich in einer anderen Welt.

Sie sind also eindeutig Fischliebhaber Herr Coli. Und wie sieht’s bei Ihnen aus Frau Redlich – lieber Fisch oder lieber Fleisch?

Maria Redlich: Ich mag beides gerne. Wie er schon gesagt hat: Wir gehen gerne gut essen, sind aber dann doch eher die bodenständigeren Typen wenn wir frei haben. Die auch gern mal verrückte Restaurants ausprobieren, auch alternative Restaurants – wir sind da sehr entdeckungsfreudig.

Nochmal kurz zum Thema Freizeit: Gibt es Hobbys, denen Sie nachgehen, wenn Sie Freizeit haben?

Bardhyl Coli: Wenn … (lacht)

Ja – das vorausgesetzt … (lacht)

Maria Redlich: Zur Zeit bleibt nicht viel Zeit für Hobbys. Ich denke eines unserer größten Hobbys ist, wirklich einfach die Welt zu entdecken, also zu reisen, verschiedene Städte kennenzulernen. Wenn es die Zeit erlaubt, dann auch Fernreisen zu machen, Hotels zu entdecken, schön essen zu gehen. Wir leben unseren Beruf eigentlich auch in der Freizeit.

Bardhyl Coli: Was wir natürlich auch sehr mögen ist, unsere freie Zeit mit unseren Familien zu verbringen. Das ist uns sehr wichtig. Wir sehen das zum Beispiel auch als Luxus, wenn wir Freizeit mit der Familie verbringen können.

Zum Abschluss noch eine Frage: Sie sind beide ja noch sehr jung und haben bereits eine steile Karriere hinter sich – was würden Sie jungen Menschen empfehlen oder raten, die in die Hotellerie einsteigen wollen?

Bardhyl Coli: Auf jeden Fall, dass sie schon ziemlich früh ihre Ziele definieren sollen. Ich hab da ein Motto: »Wer ohne Ziele läuft, braucht sich nicht zu wundern, wenn er nie ankommt.« Ich denke, das ist wichtig. Und die Person soll sich auch wirklich wirklich wirklich überlegen, ob DAS der Beruf für sie ist, denn nur zu 80 Prozent überzeugt zu sein, reicht nicht.

Es muss also Berufung sein?

Bardhyl Coli: Ja. Du musst zu 100 Prozent wollen und dann siehst du gewisse Sachen, die vielleicht mal nicht so toll sind, dennoch positiv. Und dieser Beruf muss absolut positiv gesehen werden. Du musst ein positiv denkender Mensch sein, weil sonst macht dich das in holprigeren Zeiten eher verrückt. Du musst auch die Begabung haben, auf Menschen zuzugehen, Menschen zu mögen, mal mit ihnen einen Schwatz zu halten, ohne dass es verkrampft wirkt, Fragen stellen, auf beiden Seiten, Mitarbeiter und Gäste.

Maria Redlich: Dem kann ich mich nur anschließen – auf den Punkt getroffen! (Lacht)

Gut, dann herzlichen Dank Ihnen beiden für das Gespräch!

Maria Redlich: Danke Ihnen!

Bardhyl Coli: Herzlichen Dank!

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