Der Whiskey karamellisiert langsam über der Flamme ...

HOTEL KRISTIANIA: Alles außer gewöhnlich …

Alles außer gewöhnlich. Das beschreibt das Hotel Kristiania in Lech (Vorarlberg/Österreich) und Gastgeberin Gertrud Schneider wohl am besten. Seien es die direkt vor dem Gast zubereiteten Specials Irish Coffee (mhh, war der gut!) oder Crêpe Suzette, das à la carte Frühstück, der Lese-Butler, die hausgemachten delikaten Valrhona Schokopralinen, das «Patschenkino», die Durchmischung von Haus- und À-la-carte Gästen in den drei Speiseräumen, die Mitarbeiter mit Persönlichkeit und Charakter, die verschiedenen aromatischen Teesorten von Tea-Taster Guillaume Leleu (ich lerne: wichtiger als die Zeit des Ziehens ist die richtige, je nach Sorte individuelle Temperatur des Wassers) oder das Kristiania Special «Picknick im Schnee», das für arabische Gäste schon mal mit Hello Kitty Sprudelbrause anstatt Champagner zelebriert wird (was diese sofort voller Begeisterung via Skype an Familie und Freunde in der Heimat kommunizierten). Im Kristiania gibt’s eben alles – außer gewöhnlich.

Das Hotel Kristiania in einer ruhigen Seitenstraße mit Blick auf’s beschauliche Lech trägt eben von A bis Z die Handschrift einer vielreisenden, weltoffenen und belesenen Frau: Gertrud Schneider (Jahrgang 1969) betreibt das zu den Small Luxury Hotels of the World gehörende Hotel Kristiania seit 1992. Die ersten Jahre noch gemeinsam mit ihrer Mutter und seit 2002 mehr oder weniger allein.

Eigentlich war das Kristiania ja gar nicht als Hotel gedacht. 1968 hat der Skirennläufer und Olympiasieger Othmar Schneider (Gertrud Schneider’s Vater) das Haus quasi als Feriendomizil und Ski Lodge für sich und seine Familie gebaut.

Seine Cousins meinten, man müsse aber auch Gästezimmer haben und Geld einnehmen. Othmar Schneider dachte: «Okay, dann hab ich halt auch Gästezimmer und kann meine amerikanischen Freunde alle nach Österreich bringen.» Er hatte nämlich viele Jahre berufsbedingt in Amerika und Chile zugebracht. So hat die Geschichte des Kristiania begonnen.

Aber eigentlich war das Hotel mehr das «Baby» von Gertrud Schneiders kunstbeflissener Mutter. Gertrud Schneider und ihre Schwester durften als Kinder nur ins Hotel, «wenn wir uns gut aufgeführt haben», erinnert sie sich. Begeistert war sie immer schon davon, es war «wie das Märchenschloss» – und genauso fühlt es sich als Gast im Kristiania an: Alles scheint wunderbar leicht und selbstverständlich, nichts ist kompliziert oder verkrampft. Ein bisschen wie Alice im Wunderland fühlt es sich an. Es ist ein Sich-aufeinander-einlassen-und-sich-Zeit-füreinander-Nehmen zwischen den Mitarbeitern des Kristiania und uns als Gästen. Die absolut erträgliche Leichtigkeit des Seins sozusagen.

Essen, trinken, schlafen, Zimmer verkaufen – das war Gertrud Schneider immer zu wenig. Während der Hotelfachschulzeit in Lausanne ist ihr «quasi der Blitz aufgegangen: Ich kann ja eigentlich meine eigene Persönlichkeit hineinfließen lassen! Ich hab immer schon den Tick gehabt, ich muss anders sein als die anderen in Lech – und wage manchmal Sachen, die nicht so gut ankommen, aber ich finde, man kann nicht so sein wie alle anderen», erzählt Gertrud Schneider lachend.

Gut so! Denn so kam es, dass jede(s) der 14 Zimmer und 14 Suiten im Hotel Kristiania eine Welt für sich ist: asiatischer Style, Design der 1950er & 1960er Jahre, Alpenromantik oder Jugendstil-Ambiente – alles ist möglich und immer inspiriert von den vielen Reisen und Erlebnissen der Gastgeberin.

Wir bekommen Zimmer Nr. 37, die «Suite Turandot». «Unser China-Zimmer», verrät uns Gertrud Schneider beim Check-in.

Suite Turandot im Hotel Kristiania in Lech am Arlberg in Österreich
Suite Turandot, das „China Zimmer“

Apropos Check-in: Im Kristiania gibt’s sogar ein Pre-Check-in. Bevor die Gäste also anreisen, werden schon diverse Vorlieben (Bademantel aus Frottee oder lieber Kimono? Wieviele Kissen dürfen’s sein? Welche Art von Literatur bevorzugen Sie?), Abneigungen und eventuelle Allergien erfragt. Weil: «Gastlichkeit hat auch mit dienen zu tun. Wir sind da um das zu tun, was die Gäste gerne haben wollen. Und da darf uns nix zu blöd sein», bringt Gertrud Schneider die Philosophie, die sie selber und ihre Mitarbeiter im Kristiania leben, auf den Punkt.

Wir fühlen uns in dem farbenprächtigen Zimmer auf Anhieb wohl. Viele liebevolle, wohldurchdachte Details finden sich, die einem als Gast (und manche Dinge speziell mir als Frau) große Freude machen: Nicht nur im Badezimmer, sondern auch auf einem der beiden Nachtkästchen liegt eine Taschentücherbox bereit, auf selbigem außerdem noch ein Buch («Austern im Schnee und andere Sommergeschichten»). Im Schrankraum befindet sich eine zusammengerollte Yogamatte mit einigen Übungsanleitungen, außerdem zwei Antirutschmatten (für Dusche und Wanne) sowie zwei Bademäntel aus leichtem Stoff und zwei richtig kuschelige aus Frottee. Bei beiden Waschbecken steht nicht nur jeweils ein Zahnputzglas, sondern zusätzlich je ein hübscher Schildpattbecher (perfekt, um Schminkutensilien aufzubewahren).

Als Willkommensgruß erwartet uns eine Flasche Bollinger Champagner, ein bunter Obstteller, ein Krug mit frischem Leitungswasser und ein Leuchtturm-Notizbüchlein, das, wie uns Gertrud Schneider später verrät, dafür gedacht ist, Reisenotizen und andere Eindrücke gleich schriftlich festhalten zu können.

Auf einem Kärtchen neben dem Wasserkrug sind die Zugangsdaten für den kostenlosen W-LAN Zugang vermerkt.

Der Wellness Bereich im Kristiania fällt sehr übersichtlich aus – Sauna und Whirlpool –, doch auch hierfür gibt es eine Kristiania-typische Lösung: Gäste des Kristiania können den Spa Bereich vom Hotel Post benutzen.

Ins Auto mag ich mich allerdings nicht mehr setzen – macht aber gar nichts, dann gibt’s heute Wellness im Badezimmer: Dort stehen einige wohlduftende L’Occitane Produkte bereit und der Sprudelwürfel ist wie geschaffen für ein entspannendes Bad – dazu das Buch vom Nachtkästchen, ein Glas Bollinger Champagner und mein ganz privater Wellnesstempel ist eröffnet!

Pflegeprodukte von L'Occitane in der Suite Turandot im Hotel Kristiania in Lech am Arlberg in Österreich
Pflegeprodukte von L’Occitane in unserer Suite

Um 18 Uhr sind wir mit Gertrud Schneider in der Lobby zum Interview verabredet und dabei ergibt es sich auf charmante Nachfrage von Maître Robert, dass uns Gertrud Schneider auch während des darauffolgenden Abendessens Gesellschaft leistet. Wir freuen uns sehr darüber – eine derart aufrichtige Gastfreundschaft ist uns noch selten irgendwo begegnet. Ich bin fasziniert von dieser Person, die mit absoluter Leichtigkeit unterschiedlichste Ereignisse und Zusammenhänge samt Jahreszahlen, Namen und Orten rezitiert und mich mit ihrem unglaublich breiten Allgemeinwissen tief beeindruckt.

Kleine Häppchen im Hotel Kristiania in Lech am Arlberg in Österreich
Kleine Häppchen während des Interviews …

Und weil ich jetzt schon (wieder mal) viel zu viel geschrieben habe, lasse ich bezüglich des Dinners besser einfach die Bilder sprechen:

Die Speisekarten kommen in Form von «Brief und Siegel». Erster Gruß aus der Küche: Leber vom Waller. Zweiter Gruß aus der Küche: Rosa gebratene Wachtelbrust. Hartmuth’s erster Gang: Ein Potpourri vom Besten aus Kristiania’s Küche. Hartmuth’s zweiter Gang: Cappuccino vom weißen Trüffel mit Karfiol und confiertem Eigelb. Hartmuth’s dritter Gang: Rehrücken mit einer «Kruste» aus Dörrobst, dazu RomanescoGertrud Schneider und ich nehmen zuerst Trüffelravioli & Garnelen mit Mango-Mangold und Koriander und danach die Curry-Kokosschaumsuppe mit Jakobsmuschel im Tempurateig. Zum Abschluss darf ich mir von einer Etagere mit zahlreichen verschiedenen hausgemachten Schokopralinen noch eine aussuchen. Oder zwei. Oder auch drei. Ich verrate Ihnen nicht, wieviele es waren … 😉

Zum Speisen und Genießen stehen im Hotel Kristiania übrigens drei Räume zur Verfügung: Kristiania Austrian, Otto Wagner und Kristiania Classic. Unterschiedlich in Küche, Design, Ambiente und Hintergrundmusik ist ihnen dennoch eines gemein: Die Durchmischung des Publikums – überall treffen Hausgäste auf externe Gäste. Auch das ist typisch Kristiania.

Durch die kulinarischen Stunden haben uns Maître Robert (ebenso wie ich in Wien verwurzelt), Dominik und Sandra begleitet – aufmerksam, zuvorkommend und mit der richtigen Portion Witz und Charme. Das Essen hat übrigens vom ersten bis zum letzten Bissen fantastisch geschmeckt!

Dominik überzeugt uns «Abendkaffeeverweigerer» schlussendlich doch noch, einen Irish Coffee zu probieren, schließlich könne er den für uns auch mit koffeinfreiem Kaffee zubereiten. Okay – schon überredet! Die Zubereitung des Irish Coffee ist für uns als Zuschauer ein äußerst entspannendes, ja fast meditatives Spektakel. Während der Whiskey über der Flamme langsam karamellisiert erzählt Dominik, wie er überhaupt auf die Idee gekommen ist:

Im Keller des Kristiania habe er die nötigen Utensilien (wichtig: spezielle feuerfeste Gläser!) entdeckt und daraufhin der Chefin vorgeschlagen, die Zeremonie der Zubereitung doch unmittelbar vor den Augen des Gastes zu vollziehen. «Damit der Gast auch sieht, was dahintersteckt, welche Handgriffe notwendig sind, wie der Geschmack zustandekommt», ist Dominik ganz begeistert. Gute zehn Minuten später haben wir das Wunder des frisch vor unseren Augen zubereiteten Irish Coffee vor uns.

Irish Coffee im Hotel Kristiania in Lech am Arlberg in Österreich
Fertig ist der Irish Coffee!

Dabei gehe es auch um gegenseitige Wertschätzung, eine harmonische Beziehung zwischen Gästen und Service, darum, sich füreinander Zeit zu nehmen, denn: «Wer nur schnell schnell essen will, ist im Kristiania ohnehin an der falschen Adresse», ist sich Dominik mit Gertrud Schneider einig. Wir können nur zustimmend mit dem Kopf nicken, während wir uns die Mischung aus Whiskey, Kaffee und leicht angeschlagenem Schlagobers buchstäblich auf der Zunge zergehen lassen.

Was für ein schöner Abend! Kurz vor Mitternacht schlüpfen wir in unsere bereits aufgeschlagenen Betten. Auf den Nachtkästchen liegt ganz verführerisch noch jeweils ein leckeres Macaron bereit – ich kann nicht widerstehen …

Auf das À-la-carte Frühstück am nächsten Morgen bin ich schon sehr gespannt, stellt es doch auch das krasse Gegenteil zu einem Großteil der sonst üblichen Frühstücksgebaren in der Hotellerie dar. Am besten halte ich mich auch hier wieder mit dem Text zurück und lasse die Bilder für sich sprechen:

Gertrud Schneider mag keine Buffets, deshalb gibt’s im Kristiania auch kein solches zum Frühstück. Stattdessen bekommen wir eine Frühstückskarte, aus der wir verschiedenste Speisen wählen können und sollten wir etwas anderes wollen, sollen wir einfach Bescheid geben. Nur so viel: Jeder (realistische) Wunsch wird umgehend erfüllt, eine Portion Charme und Herzlichkeit gibt’s als Sahnehäubchen dazu.

Ach ja – für unsere weiblichen Leser vielleicht interessant: In das «fine bone china» mit dem Motiv «black forrest» von Dibbern habe ich mich sofort verliebt. So einfach. So filigran. So schön.

Service von Dibbern im Hotel Kristiania in Lech am Arlberg in Österreich
Service von Dibbern mit dem Motiv „black forrest“ – I love it!!!

Bald nach dem Frühstück wird’s Zeit, den Heimweg anzutreten. Schade. Als unser Auto vorgefahren wird erleben wir den nächsten Wow-Effekt: Es ist blitzblank gewaschen und die Heinzelmännchen haben sogar das Scheibenwischwasser aufgefüllt – vielen Dank für diesen Top-Service!

Fazit

Das Hotel Kristiania in Lech ist ein Kleinod an herzlicher Gastfreundschaft, ganz individuell gestalteter Gemütlichkeit, kulinarischen Köstlichkeiten, die so manch Überraschung (ich sage nur Wallerleber!) mit sich bringen, und ungezwungenem, aber dennoch extrem zuvorkommendem Service. Eine Oase der speziellen Art ist das Kristiania für uns – geeignet für all jene, die besonderes Ambiente und erstklassigen Service abseits des üblicherweise Gebotenen suchen.

Anmerkung: Wir wurden für die Nacht von 1. auf 2. März 2015 von Gastgeberin Gertrud Schneider ins Hotel Kristiania eingeladen. Dieser Beitrag basiert ausschließlich auf meinen/unseren subjektiven Eindrücken, die wir während der 24 Stunden im Kristiania gewonnen haben. Ganz herzlichen Dank an dieser Stelle nochmals für die Einladung!

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