Hannes Schneider

Hannes Schneider

Lange Zeit hat sich Hannes Schneider ein «Hintertürl» offen gelassen, bevor er sich entschieden hat, dass doch die Hotellerie das ist, was er machen will. Hannes Schneider führt das Hotel Arlberg in Lech (Vorarlberg/Österreich) mit seiner Frau Christiane in zweiter Generation, die nächste steht bereits in den Startlöchern – der gemeinsame Sohn «ist jetzt nach seinen Wanderjahren ins Haus zurückgekommen», unterstreicht Hannes Schneider die Wichtigkeit, «über den eigenen Tellerrand hinauszuschauen und andere Kulturen und Menschen vor Ort, in deren Umfeld kennenzulernen.»

Hannes Schneider, 1960 in Bludenz geboren, hat sich nach einer humanistischen Ausbildung in Feldkirch besagtes «Hintertürl» offen gelassen, weil «wenn man in so ein Haus hineingeboren wird, liegt es an sich nahe, dass der Berufswunsch vorgezeichnet ist – dem ist bei Leibe nicht so! Ich glaube, es ist ganz wichtig, als Teenager in den prägenden Jahren die Möglichkeit zu haben, das Ganze mal von außen zu betrachten», erläutert Schneider seine Philosophie.

Diese Möglichkeit hat er wahrgenommen, hat «ein kurzes betriebswirtschaftliches Studium in Wien dazwischengeschoben, was eigentlich nie schädlich ist», um dann für sich selber draufzukommen, dass doch die Hotellerie das Seine ist. Nach absolvierter Hotelfachschule führten ihn seine Wanderjahre nach Nordamerika, Kanada und in die arabische Welt.

Die Wanderjahre und eine solide Ausbildung sieht Schneider als Grundpfeiler, wenn man als Hotelier erfolgreich sein will. Warum? «Weil auch die Mitarbeiter immer mehr – schön neudeutsch: sophisticated werden, sie wissen ganz genau, wie der Hase läuft. Umso wichtiger ist es, dass man als Chef über jeden Zweifel erhaben ist. Respekt muss man sich verdienen. Und das geht nur, wenn eine grundsolide Ausbildung dahinter steckt.»

Das Hotel Arlberg ist ein 2-Saisonen Betrieb. Wie verbringen Sie die Zeit, wenn Sie geschlossen haben? Gehen Sie auf Reisen, um andere Hotels anzuschauen oder Kollegen zu besuchen?

Bei der Gelegenheit muss ich mit einem kleinen Missverständnis aufräumen: Es ist nicht so, dass, wenn unsere Betriebe geschlossen sind, die Arbeit ruht und Urlaub herrscht. Im Gegenteil, da geht’s erst los. Die Zeiten zwischen den Saisonen nutzen wir stark für Änderungen innerhalb des Betriebes, Umbauarbeiten, Renovierungen – das geht während des laufenden Betriebes nicht. Ergo dessen stehen uns immer zwei bis zweieinhalb Monate zur Verfügung, um den Betrieb wieder state of the art darzustellen. Das ist aufwändig und es verlangt vor allem die physische Präsenz desjenigen, der dann sagt wie er’s haben will, vor Ort, weil sonst funktioniert das nicht.

Aber irgendwann werden Sie doch auch freie Zeit haben …

Natürlich. Trotz allem bleiben in der Zwischenzeit Perioden, die wir für uns nützen. Das ist auch wichtig und notwendig, um hier und da mal einen Reset herbeizuführen. Man ist ja ein Gewohnheitstier und wenn die Zeit, die zur Verfügung steht, gering ist, versucht man die so effizient wie möglich zu nutzen. Das führt dazu, dass man halt doch immer wieder die selben Plätze frequentiert, um der Erholung Rechnung zu tragen. Darüber hinaus schauen wir uns auch an, was unsere Mitbewerber draußen am Markt tun. Man muss die Produkte kennen, um zu sehen, wo steht man selber, um eine Standortbestimmung machen zu können. Außerdem sind meine Frau und ich passionierte Golfer und kommen unserem Hobby in der Zwischensaison relativ exzessiv nach.

Haben Sie Lieblingsdestinationen oder Golfplätze, auf denen Sie spielen?

Eigentlich nicht. Schöne Golfplätze gibt’s heutzutage auf der ganzen Welt. Man muss selbst unser Ländle nicht verlassen, um sensationelle Plätze zu finden. Stichwort: der neue Montfort Golfplatz, jetzt nachdem er fertiggestellt ist, der ist wirklich eine Klasse für sich. Ich glaub das Schöne an unserer Golfdestination Vorarlberg und näheres Umfeld ist, dass für jeden Geschmack etwas dabei ist – vom breiten, offenen Platz bis zum reinen Gebirgsplatz. Wir hier in Lech sind mittlerweile Gott sei Dank auch mit dabei. Letztes Jahr wurde der 9-Loch Golfplatz gebaut, der braucht jetzt ein Jahr, um anzuwachsen, das ist der Höhenlage geschuldet. Aber wir sind guter Dinge, im Frühjahr 2015 unseren Spielbetrieb aufnehmen zu können.

Was bedeutet für Sie persönlich Luxus?

Luxus ist, glaub ich, eine sehr individuelle Geschichte. Jeder versteht etwas anderes darunter. Für mich persönlich ist Luxus, Zeit zu haben für Dinge, die mir selber Spaß machen. Dinge mit der Familie zu erleben. Raus aus dem normalen Trott. Sich einfach sich selbst widmen zu können. Und einfach Zeit haben, nichts zu tun.

Sie haben hier im Hotel Arlberg ein sehr internationales Publikum, das eine gewisse Erwartungshaltung an ein Hotel hat. Was bedeutet für Sie in dem Zusammenhang Gastlichkeit?

Gelebte, ehrliche Freundlichkeit macht Gastlichkeit aus. Und die kommt nur dann zustande, wenn auch unsere Mitarbeiter sich wohlfühlen. Die haben eine Message zu erzählen und das geht nur dann, wenn’s ihnen selber gut geht. Ich glaube, das macht die Position des gesamten Arlbergs aus: Es gibt hier keinen kettengefühten Betrieb, sondern da steht immer eine Familie dahinter, die das Haus nicht nur besitzt, sondern auch führt und so jedem Betrieb seinen ganz individuellen Stempel aufdrückt. So dauerts im Regelfall ein oder zwei Aufenthalte für einen Gast, bis er «sein» Haus gefunden hat, dem er dann in der Regel über Jahre hinweg die Treue hält. In einer normalen Durchschnittswoche wird unser Hotel von 12 bis 14 verschiedenen Nationen frequentiert, die genau wissen, wie’s draußen zugeht. Ich glaube wir müssen es uns nur zur Angewohnheit machen, ein bisschen genauer hinzuhören, was möchte der Gast. Und wenn man das noch ein bisschen mehr beherzigt, dann ist man nicht ganz verkehrt unterwegs.

Gut. Dann bedanke ich mich recht herzlich für das Interview.

Gern.

(Das Interview führte Hardy Lohs. Redaktion: Susanne Lohs)

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