Nicole & Clemens Walch

Nicole & Clemens Walch

Zwei Quereinsteiger mischen den Arlberg auf: Sie Australierin, er «a richtiger Lecher». Sie gelernte Lehrerin, er Bäckermeister & Konditor. Nicole und Clemens Walch führen seit dem Jahr 2000 das Hotel Gotthard in Lech am Arlberg (Vorarlberg/Österreich). Sehr viel investiert haben sie, sehr viel verändert, sind auch fremde Wege gegangen, aber «es muss erfolgreich gewesen sein, weil wir stehen ganz gut da und es macht uns riesigen Spaß», zieht Clemens Walch Resümee.

Nicole Walch ist im Süden Australiens geboren, aufgewachsen ist sie in Asien – HongkongPhilippinenSüdkorea. In Südkorea ist sie auch das erste Mal auf Skiern gestanden und hat ihre Liebe zum Skifahren entdeckt. Irgendwann ist sie in Lech gelandet, hat Clemens Walch kennengelernt und lebt seither hier. Gemeinsam haben die beiden zwei Kinder. Und seit zwei Jahren spielt Nicole auch wieder Golf, wie sie uns im Gespräch verrät – ab nächstem Jahr am Golfplatz in Lech.

Clemens Walch ist ein «waschechter» Lecher, hat die Meisterprüfung zum Bäcker & Konditor abgelegt und «irgendwo dazwischen hab ich die Konzessionsprüfung fürs Gastgewerbe gemacht, hab aber nie damit gerechnet, dass ich im Hotelbereich lande, weil das eigentlich der Part meines Bruders Christoph war», gibt er im Schnelldurchlauf Einblick in seine Vita.

Als sein Bruder im Jahr 2000 den Beruf wechselte, haben Nicole und Clemens beschlossen, das Hotel zu kaufen. Das Hotel Zentral und das Hotel Gotthard wurden zusammengelegt und werden seither als Hotel Gotthard geführt. Die Backstube Lech gehört natürlich auch dazu (und beschert den Hotelgästen fantastische Frühstückserlebnisse, wie in unserem Blogbeitrag nachzulesen ist).

Nicole, hast du vorher schon was mit Tourismus zu tun gehabt?

Nicole: Nein, ich bin gelernte Lehrerin. Das ist learning by doing (lacht). Aber mittlerweile habe ich ein paar Kurse gemacht.

Clemens: Wir sind beide Quereinsteiger (lacht) …

Wie verbringt ihr eure Freizeit? Eure zwei Kinder sind ja glaub ich noch schulpflichtig, oder?

Nicole: Die sind beide schulpflichtig, ja. Es wird immer schwieriger … unseren meisten Urlaub verbracht haben wir in Australien oder am Weg nach Australien irgendwo in Asien, in Thailand oder Malaysia oder irgendwo. Aber die letzte Zeit, wenn die Kinder nicht so lange Ferien haben, sind wir in Europa … in Südtirol sind wir oft, zum Beispiel für ein verlängertes Wochenende oder so.

Australien ist für dich sozusagen Heimaturlaub Nicole …

Nicole: Ja, es ist Heimaturlaub, aber es ist schwierig mittlerweile …

Es ist doch eine gewisse Entfernung …

Nicole: Genau. Und mit Hotel und den Kindern und den Ferien … Das geht nicht immer zusammen, weil wir können nicht immer in der Saison weggehen, wir haben ja 70 Prozent Stammgäste und die erwarten schon, dass wir da sind. Das kommt nicht gut an, wenn jemand eine Woche hier ist und wir sind grad einen Monat unterwegs (lacht).

Clemens: Ich hab ein Steckenpferd mit meinen Freunden – seit über 20 Jahren gehen wir einmal im Jahr eine Woche golfen. Also ich spiel ja seit 30 Jahren mehr oder weniger Golf – meistens weniger. Aber diese eine Woche mit Freunden, das gönn ich mir. Wir gehn jedes Jahr an einen anderen Ort in Mitteleuropa. Ganz toll sind für mich die britischen Inseln mit all den Möglichkeiten, die da gegeben sind. Golfen auf den britischen Inseln ist wie skifahren am Arlberg – das ist einfach unvergleichbar.

Was bedeutet für euch Gastlichkeit?

Clemens: Gemäß unserem Slogan «We’re home, we’re friends, we’re family» möchten wir das auch so leben. Wir sind ja keine Vollprofis, haben das nicht von der Pike auf gelernt, deshalb steht umso mehr im Vordergrund, dass die Freundlichkeit einfach den ein oder anderen Fehler ausgleichen kann.

Nicole: Wir sind menschlich, wir können alle Fehler machen – aber wie wir damit umgehen ist wichtig glaub ich.

Und was man daraus lernt …

Nicole + Clemens: Genau!

Nicole: Ich glaub da sind wir gut (lacht).

Wenn ihr auswärts esst – gibt’s da eine spezielle kulinarische Richtung, die ihr bevorzugt?

Clemens: Die asiatische Küche ist sicher unser Favorit – neben klassischen heimischen Vorarlberger Spezialitäten. Und für mich ist natürlich das Brot Kulinarik – was man am Markt alles an Brot vorgesetzt bekommt, ist einfach schlichtweg traurig und hat nix mit Lebensmittel sondern mit totem Mittel zu tun. Aber die asiatische Küche ist schon was, was uns beiden sehr sehr gut schmeckt.

Nicole: Unseren Kindern auch (lacht).

Die werden schon damit groß …

Nicole: Genau.

Clemens, was würdest du als Quereinsteiger einem jungen Menschen, der ins Metier Gastronomie/Hotellerie einsteigen will, mit auf den Weg geben?

Clemens: Es geht einfach nicht ohne dass man es gern tut. Das ist das Wichtigste. Wir sind jetzt mit unserem Sohn grad bei der Entscheidung – er geht jetzt in eine Hotelfachschule, er muss es gern tun, er muss es wirklich mögen. Man muss Leute mögen und nicht Angst vor ihnen haben. Man muss gern mit Leuten umgehen und kommunizieren, das ist der Grundpfeiler. Und dann kommt das Fachliche dazu und da gehört eine solide, gute Ausbildung dazu, die einfach dringend notwendig ist. Wir sehn das bei uns, wir haben das ja selber erlernen müssen und das ist unbedingt notwendig. Aber das ist in jedem Beruf so: die Handwerkskunst und die Berufung dazu. Das eine ist das «gerne tun» und das andere ist das «richtig lernen».

Findest du’s wichtig, dass junge Menschen im Ausland Erfahrung sammeln?

Clemens: Unbedingt wichtig! Das ist unabdingbar! Wir sind sehr viel unterwegs, haben befreundete österreichische Hotelmanager in Asien, die dort ihre erlernten Tätigkeiten umsetzen und sehr gefragt sind. Es ist einfach unglaublich, wie offen und wie weit da die Denke ist und auch das Agieren. Wenn ich das wieder auf Lech ummünze muss ich sagen: Wenn unser Ziel ist, internationales Publikum zu beherbergen, dann muss ich auch international agieren und darf nicht … hmm, schmale Täler, hohe Berge, das darf dann nicht sein was es ist. Natürlich bin ich auch ein Verfechter des Walsertums, das ist das was uns da heroben ausmacht, unser Bergvolk. Wir sind ein bisschen stur und ein bisschen eigensinnig. In einem Buch hab ich gelesen auch sehr selbstsicher. Das sind zwar gute Attribute, aber wir müssen die mit der offenen Welt mischen und dann kommt was Gutes dabei raus.

Zum Schluss noch eine Frage an euch beide – jeder für sich: Der erste Urlaub ohne Eltern – wisst ihr noch, wohin der ging?

Nicole: Ich bin mit 21 nach Europa, alleine mit meiner Freundin. Das war eine organisierte Tour, weil ich vorher noch nie in Europa war.

Clemens: Da ich irrsinnig gern Sport mach, waren meine ersten selbständigen Urlaubsfahrten dazumal Surf-Ausflüge gewesen mit Freunden, an den Gardasee oder nach Spanien. Einfach eine Woche oder ein Wochenende zum Surfen. Das hat sich jetzt geändert – ins Golfen (lacht). Die Endung ist die selbe.

(Das Interview führte Hardy Lohs. Redaktion: Susanne Lohs)

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