Hannes Skardarasy

Hannes Skardarasy

«Als Hotelier am Arlberg kommt man ja während der Wintersaison nicht so oft vor die Tür», meint Hannes Skardarasy lachend auf die Frage, wie und wo er seine Frau kennengelernt habe. Gemeinsam mit seiner Frau Laura führt er das Hotel Zürserhof in Zürs (Vorarlberg/Österreich) in dritter Generation, seine Eltern sind auch noch stark ins Hotelgeschehen involviert. Mit Sohn Maximilian, der im Juni drei Jahre alt wird, steht die vierte Generation quasi schon in den Startlöchern.

Ach ja, seine Frau hat der begeisterte Golfer im Endeffekt «zufällig, über eine gemeinsame Bekannte» kennengelernt und dann eine gewisse Zeit eine Fernbeziehung geführt. Irgendwann hat sich Laura Skardarasy entschieden, «dass sie den Weg in die Berge mit antreten möchte und da hineinwachsen will. Sie fühlt sich hier sehr wohl und kümmert sich um sehr viele Dinge im Haus, sie managt zum Beispiel den gesamten Spa Bereich» erzählt Hannes Skardarasy.

Und allein das ist schon mal eine recht umfangreiche Aufgabe, erstreckt sich der Spa Bereich des Hotel Zürserhof doch über üppige 3.200 m² auf fünf Ebenen und besteht aus mehreren Einheiten: Aureus Spa, Pool Area, Hair Spa und dem Family Spa mit maßgeschneiderten Anwendungen für die jungen Gäste. (Mehr dazu im Beitrag über den Zürserhof.)

Hannes Skardarasy wurde am 30. Oktober 1979 in Bludenz geboren, aufgewachsen ist er im elterlichen Hotel in Zürs. Die Pflichtschuljahre hat er in Lech bestritten, mit 14 ging’s dann ins Internat nach Deutschland, wo er später auch maturiert hat. Nachdem er im Anschluss die Hotelfachschule absolviert hatte, war er einige Jahre unterwegs – relativ lange in England, eine Zeit lang in Wien. Während seiner Wanderjahre hat er alle Abteilungen der Hotellerie durchlaufen und damit wertvolle Erfahrungen für den eigenen Betrieb gesammelt, wohin er vor mittlerweile zehn Jahren fix zurückgekommen ist.

Sie haben viel mit Menschen zu tun. Wie wichtig ist es für Sie, persönlich beim Gast zu sein?

Ich glaub, dass das in der Art der Hotellerie, wie wir sie betreiben, das Wichtigste ist. Es ist für uns die Möglichkeit, uns von Ketten-Hotels oder großen finanzkräftigeren Hotels zu unterscheiden. Dieses Persönliche, dass wir jeden Gast selber begrüßen und verabschieden und auch während des Aufenthalts immer wieder ins Gespräch kommen, ist für uns ganz ganz wichtig. Die Gäste schätzen das auch sehr und dadurch haben wir viele Gäste, die wir wirklich auch als Freunde bezeichnen können, die jedes Jahr wiederkommen.

Was bedeutet in dem Zusammenhang für Sie als Hotelier der Begriff «Gastlichkeit»?

Es ist wichtig, dass sich der Gast wohlfühlt. Mit einzelnen Punkten kann man das wahrscheinlich gar nicht beschreiben … es ist einfach dieses sich rundum umsorgt fühlen. Die Hardware wird dabei eigentlich vorausgesetzt, entscheidend ist letztendlich die Software, also das, was dann im Hotel passiert. Und da versuchen wir zu erreichen, dass der Gast, wenn er wegfährt, sagt «Es war rundherum toll, wir haben uns irrsinnig wohlgefühlt und kommen wieder».

Wenn Sie selber Urlaub haben: Wie schauen Ihre Pläne diesbezüglich aus?

Wir sind nicht die Fernreiser, sondern machen viel Urlaub in der näheren Umgebung, in der Region – ÖsterreichDeutschlandItalien. Ich selber bin begeisterter Golfer und geh im Sommer gern golfen. Wichtig sind uns immer Hotels, wo wir uns wohlfühlen, wobei das unabhängig von der Kategorisierung und Sternezahl ist – einfach wo’s gemütlich ist und wir uns wohlfühlen. Das ist für uns auch ein bissl ein Ausgleich zu dem, was wir im Winter tun.

Sie haben den Zürserhof rund fünf Monate geöffnet, richtig?

Ja, genau.

Wie verbringen Sie die restliche Zeit?

Viele sagen «Ja was machen Sie das ganze Jahr, wenn Sie im Sommer nichts zu tun haben?». Also ganz so ist es nicht. Derzeit haben wir fünf Monate, von Ende November bis Ende April, Saison. Mit unserem neuen Aureus Spa versuchen wir, diese Saison zu verlängern, auch den Herbst ein bissl mitzunehmen. Unser Ziel ist es, aus diesen fünf vielleicht einmal sechs oder sieben Monate zu machen. Die restliche Zeit ist geprägt von Renovierungsarbeiten, Mitarbeitersuche, Marketingaktivitäten und ein bissl reisen – wir schauen uns auch an, was die Mitbewerber machen. Für kreative Ideen ist bei uns im Sommer mehr Zeit als im Winter.

Was bedeutet für Sie persönlich Luxus?

Für mich ist Luxus gar nicht unbedingt was Materielles. Wenn man sich anschaut, wie’s momentan auf der ganzen Welt zugeht … Wenn man die Möglichkeit hat selber zu entscheiden, was man machen möchte, wo man auf Urlaub hingehen möchte, finanziell in der Lage ist nicht drüber nachdenken zu müssen, ob man am Abend essen gehen kann – das ist für mich Luxus.

Apropos Essen: Sie sind hier fünf Monate von Sterneküche umgeben – haben Sie spezielle kulinarische Vorlieben, wenn Sie dann mal auswärts essen gehen?

Das ist bei mir eine Abwechslung aus allem. Ich liebe einen guten Schweinsbraten, aber ich brauch ihn nicht 365 Tage im Jahr. Die Mischung macht’s – einmal eine Brotzeit mit Speck und gutem Brot ist genauso gut. Also wir sind sicher nicht den ganzen Sommer damit beschäftigt, uns in Sternerestaurants zu bewegen. Ich koch selber auch ganz gern und mag auch die asiatische Küche sehr gern. Also zusammengefasst, um auf Ihre Frage zu antworten: Ein Querschnitt durch alles.

Wenn junge Leute den Weg in Hotellerie und Gastronomie wählen – was würden Sie denen als Anregung mit auf den Weg geben?

Ich glaube das kommt ganz drauf an, wie dieser Weg ausschauen soll, wo die Ziele liegen – also ob jemand Hotelmanager oder Restaurantleiter werden will. Wichtig ist, dass man alle Bereiche mal durchleuchtet und überall mal hineinschaut. Man braucht das Verständnis für die anderen Abteilungen im Hotel – wenn man das hat, wirkt sich das auch äußerst positiv auf’s Betriebsklima aus.

Der Weitblick einfach …

Genau. Und auch die Erkenntnis, dass es nur gemeinsam funktioniert. Mit Ellenbogentechnik wird man nicht wahnsinnig weit kommen in der Hotellerie, das Miteinander ist wichtig. Ich finde, das Hotelgewerbe ist ein wahnsinnig schöner Beruf – man kommt irrsinnig viel auf der Welt herum, wenn man möchte. Lernt wahnsinnig viele Menschen kennen. Ich kann’s nur jedem empfehlen, der gern mit Menschen arbeitet. Das ist nämlich Voraussetzung.

Eine Art Mentor, der’s gut mit einem meint, ist wahrscheinlich auch nicht schlecht, oder?

Das stimmt, das hab ich selbst während meiner Zeit beim Döllerer erlebt, beim damaligen Küchenchef Bernhard Hauser. Gleich nach der Hotelfachschule war das. In der Küche hab ich nicht viel Erfahrung gehabt, konnte dort aber mitarbeiten und wurde ganz toll behandelt von allen. Das hat viel Spaß gemacht und ich hab dabei wirklich viel gelernt. Für mich war das eine positive Erfahrung und schon ein bissl prägend …

Was ja nicht unwesentlich für den weiteren Verlauf der Lebensgeschichte ist …

Ja, man sieht, wenn man jemanden, der grad am Anfang steht und noch nicht wahnsinnig viel kann, positiv motiviert, dann kann das denjenigen in eine Richtung leiten, die ihn wirklich voranbringt. Andersrum aber leider genauso: Behandelt man so jemanden anders und gibt ihm keine Möglichkeit oder Chance, verbrennt man ihn gleich zu Beginn seiner Laufbahn …

(Das Interview führte Hardy Lohs. Redaktion: Susanne Lohs)

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